Herausragende Forschung: Essener Hautkrebsforscher mit Preisen und Forschungsförderungen ausgezeichnet

Großer Erfolg für die Dermatologie der Medizinischen Fakultät um Universitätsklinikum Essen: Im Rahmen der 30. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), die in diesem Jahr vom 9. bis 12. September 2020 virtuell stattgefunden hat, wurde PD. Dr. Lisa Zimmer mit dem Deutschen Hautkrebspreis 2020 geehrt. Dr. Georg Lodde erhielt für seine wissenschaftliche Arbeit einen Posterpreis. Zudem werden Dr. Renata Varaljai durch die Firma Novartis und Dr. Heike Chauvistre durch die Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs in ihrer wissenschaftlichen Arbeit gefördert.
Seit 2016 ist eine Immunkombinationstherapie mit Nivolumab und Ipilimumab für das metastasierte Melanom zugelassen. Melanompatienten im Stadium IV ohne Tumornachweis wurden jedoch von diesen Phase 3 Studien ausgeschlossen, da der Studieneinschluss messbare Tumorläsionen erforderte. Vor diesem Hintergrund hat Frau PD Dr. Lisa Zimmer im Rahmen einer Prüfer-initiierten (IIT, investigator initiated trials) dreiarmigen prospektiven, randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase 2 Studie des Universitätsklinikums Essen unter Leitung von Prof. Dirk Schadendorf gemeinsam mit PD Dr. Elisabeth Livingstone die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombinationstherapie mit Nivolumab und Ipilimumab (Arm 1), Nivolumab allein (Arm 2) und Placebo (Arm 3) bei Melanompatienten im Stadium IV ohne Tumornachweis untersucht. Im Rahmen dieser multizentrischen Studie, an der 20 deutsche Hauttumorzentren beteiligt waren, wurden von September 2015 bis November 2018, 167 Patienten eingeschlossen. Die Hazard-Ratio für das rezidivfreie Überleben der Kombinationstherapie gegenüber Placebo lag bei 0,23 (97?5% CI 0?12-0?45; p<0?0001) und der Nivolumab-Monotherapie gegenüber Placebo bei 0,56 (97?5% CI 0?33-0?94; p=0?011), das heißt eine um jeweils 77%ige und 44%ige Risikoreduktion ein Rezidiv in den Therapiearmen zu entwickeln im Vergleich zum Placebo-Arm. Im Rahmen dieser Phase 2 Studie konnte somit erstmals gezeigt werden, dass durch eine adjuvante Therapie mit Nivolumab und Ipilimumab bei MelanompatientInnen im Stadium IV ohne Tumornachweis der größte Vorteil für das rezidivfreie Überleben und die höchste Reduktion des Rezidivrisikos erzielt wurde, die bisher in adjuvanten Melanomstudien berichtet wurden. Darüber hinaus zeigte sich ein verbessertes rezidivfreies Überleben der kombinierten Immuntherapie im Vergleich zur Nivolumab-Monotherapie, was für eine Änderung der Behandlungspraxis bei MelanompatientInnen im Stadium IV ohne Tumornachweis spricht. Die Ergebnisse der Studie wurden dieses Jahr im Lancet publiziert. Der Deutsche Hautkrebspreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde dieses Jahr zu gleichen Teilen an PD Dr. Lisa Zimmer, Essen, und PD Dr. Philipp Tschandl, Medizinische Universität Wien, vergeben.

Dr. Renata Varaljai aus der Arbeitsgruppe Tumor Heterogenität & Plastizität (Leiter Prof. Dr. Alexander Rösch) erhielt einen von drei erstmals ausgelobten MAYA-Förderpeisen der Firma Novartis. Das Gutachtergremium würdigte Renata Varaljais Vorarbeiten und Forschungsideen auf dem Gebiet der prädiktiven Biomarkerforschung für PatientInnen mit metastasiertem Melanom. Genauer gesagt um die Frage, inwiefern der Nachweis bestimmter Immunbotenstoffe wie Interleukin-17 und damit assoziierter Immunmechanismen einen Mehrwert für die Kombinationsimmuntherapie aus Ipilimimab plus Nivolumab vorhersagen kann. Der Preis ist dotiert mit 20.000 EURO.

Dr. Heike Chauvistre, ebenfalls aus der Arbeitsgruppe Tumor Heterogenität & Plastizität erhielt eine Forschungsförderung der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs. Gefördert werden Heike Chauvistres innovative Arbeiten auf dem Gebiet der zellulären Differenzierung von Melanomzellen. Im Rahmen des geplanten Projekts soll die Frage beantwortet werden, inwiefern die Modulation der Histondemethylase KDM5B die Immuntantwort in Modellsystemen des Melanoms beeinflusst. Langfristig könnten hieraus neue klinische Konzepte abgeleitet werden. Das Projekt wird mir 40.000 EURO gefördert.

Seit 2018 sind sowohl die zielgerichtete als auch die Immuntherapie in der adjuvanten Situation beim Melanom zugelassen. In einer großen multizentrischen, nationalen Studie erfasste Dr. Georg Lodde, Assistenzarzt der Hautklinik, unter Leitung von PD Dr. Elisabeth Livingstone retrospektiv Daten von 904 PatientInnen, die seit der Zulassung eine Indikation zu einer adjuvanten Therapie hatten. Er charakterisierte die Gruppen, die sich für bzw. gegen eine adjuvante Therapie entschieden, und bei Vorliegen einer BRAF-Mutation zusätzlich die Gruppen, die die zielgerichtete bzw. die Immuntherapie wählten. Insgesamt zeigte sich, dass 75% der PatientInnen eine adjuvante Therapie durchführen und dies unabhängig von Tumorstadium und Geschlecht. Häufige Ablehnungsgründe waren das Alter, Sorge vor unerwünschten Nebenwirkungen und die Lebensqualität. Bei der Wahl der Therapie entschieden sich die PatientInnen mit BRAF-Mutation zu 44% für eine zielgerichtete Therapie, 56% wählten die Immuntherapie. Weder Alter noch Geschlecht, Tumorstadium oder Komorbiditäten scheinen einen relevanten Einfluss auf die Therapiewahl zu haben. Weitere Untersuchungen mit Bildung eines Kausalitätsmodells sind in Kooperation mit Prof. Andreas Stang, Direktor IMIBE Essen, geplant, zudem wird die Studie fortgesetzt und der Verlauf der Therapie in Bezug auf Nebenwirkungen, Auftreten von Rezidiven und Folgetherapien untersucht. Das Poster wurde mit 500 EURO prämiert.

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