GIST-Preis 2020 geht an Dr. rer. medic. Thomas Mühlenberg

Die GIST-Gruppe Schweiz hat zum elften Mal den GIST-Preis verliehen. Sie hat damit Dr. Thomas Mühlenberg, Universitätsklinikum Essen geehrt. Die Laudatio wurde von Dr. Michael Montemurro, Lausanne, Mitglied des Preiskomitees und medizinischer Beirat der GIST-Gruppe gehalten.

Der Verein zur Unterstützung von Betroffenen mit Gastrointestinalen Stromatumoren, die GIST-Gruppe Schweiz, hat zum elften Mal den Wissenschaftspreis verliehen.

Der mit 10‘000 Franken dotierte GIST-Preis 2020 geht an Dr. Thomas Mühlenberg für seine Arbeit über „KIT -Dependent and KIT-Independent Genomic Heterogeneity of Resistance in Gastrointestinal Stromal Tumors – TORC1/2 Inhibition as Salvage Strategy“, publiziert in Molecular Cancer Therapeutics (2019). 18 (11), 1985 – 1996.

Zusammenfassung der Arbeit

Der Grossteil der Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) sprechen auf die Behandlung mit spezifischen KIT-Inhibitoren (z.B. Imatinib) an, entwickeln aber im Verlauf der Behandlung Resistenzen. Die Entwicklung effektiver Rezidiv-Therapien wird durch die Heterogenität der auftretenden Sekundärmutationen in KIT erschwert. Um eine aktuelle Übersicht über das (Sekundär-) Mutationsspektrum in KIT zu erhalten wurden die Datenbanken der Routinediagnostik eigener Pathologien, sowie weiterer nationalen und internationalen Kooperationspartner analysiert. Aufgrund der Tatsache, dass in vielen Krebszentren inzwischen Next Generation Sequencing in der pathologischen Routinediagnostik eingesetzt wird, konnten darüber hinaus bei vorbehandelten Patienten Mutationen in anderen Genen identifiziert werden, die KIT-abhängige Signalwege unabhängig von Mutationen in KIT aktivieren können. Diese Daten verdeutlichen die Komplexität der Resistenzmechanismen in GIST.

Um diese Mechanismen besser zu verstehen und ggf. überkommen zu können, wurden mittels CRISPR/Cas9 Technologien (im Volksmund auch als „Genschere“ bekannt) gezielt die bei Patienten identifizierten Mutationen in GIST Zellen eingebracht. Anschliessend wurden diese neuen Zelllinien-Modelle auf die Empfindlichkeit gegen zugelassene GIST Therapien untersucht. Weiterhin wurde der neuartige mTOR Kinase Inhibitor Sapanisertib (MLN-0128) allein und in einer Vielzahl von Kombinationen (Isobologramme) mit bereits etablierten Inhibitoren von KIT und MEK getestet.
Es zeigte sich, dass die modellierten Mutationen tatsächlich zu einer Resistenz gegenüber KIT-Inhibition führen. Diese Resistenzen werden jedoch besonders effektiv durch die synergistische Kombination von Sapanisertib und dem MEK Inhibitor Trametinib überwunden.
Unter anderem zeigt diese Arbeit, dass trotz (oder gerade wegen) der stetigen Verbesserung von KIT-Inhibitoren zukünftig die Inhibition von KIT abhängigen Signalwegen in GIST notwendig sein könnte.

Die Preisverleihung erfolgte am 20. November 2020 an der ” SAKK Award Ceremony” im Rahmen des virtuellen Swiss Oncology & Hematology Congress (SOHC) 2020.

GIST ist eine sehr seltene Krebserkrankung des Magen-Darmtrakts und gehört zu den Sarkomen, einer Gruppe von bösartigen Tumoren, die in Bindegewebe, Knochen und Muskeln vorkommen. Sie tritt bei zirka 10 bis 15 Menschen pro 1 Million Einwohner pro Jahr auf. Als Non-Profit Organisation führt die SAKK auch Studien im Bereich solch seltener Krebserkrankungen durch.

Hintergrundinformationen

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST)
Gastrointestinale Stromatumoren sind eine seltene Krebserkrankung des Magen-Darmtrakts. Sie gehören zu den Sarkomen, einer Gruppe von bösartigen Tumoren, die in Bindegewebe, Knochen und Muskeln vorkommen. Etwa 40 bis 70 Prozent der GIST-Primärtumoren entstehen im Magen, 20 bis 40 Prozent im Dünndarm und 5 bis 15 Prozent im Dickdarm und Mastdarm. GIST darf nicht verwechselt werden mit den viel häufigeren Krebserkrankungen des Magen-Darmtrakts, die unter den Begriff Karzinome fallen. GIST machen nur etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen im Bereich des Magen-Darmtrakts aus. Karzinome können zwar an den gleichen Stellen auftreten wie GIST, ihre Herkunft und Behandlung sind aber völlig verschieden.

GIST-Gruppe Schweiz
Die GIST-Gruppe Schweiz ist eine Organisation zur Unterstützung von Betroffenen mit Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST). Sie unterstützt alle Bemühungen zur Verbesserung der Therapie von GIST. Dazu vergibt die GIST-Gruppe unter anderem einen jährlichen Preis an Organisationen oder Personen, die sich für dieses Ziel einsetzen. Ausgezeichnet werden Vorträge, Publikationen, Podiumsdiskussionen, wissenschaftliche oder gesellschaftsrelevante Projekte. Der Preis ist mit 10‘000 Franken dotiert und wird durch die GIST-Gruppe Schweiz ausgerichtet.
Weitere Informationen: www.gist.ch,

SAKK
Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) ist eine Non-Profit Organisation, die seit 1965 klinische Studien in der Onkologie durchführt. Ihr wichtigstes Ziel ist es, neue Krebstherapien zu erforschen, bestehende Behandlungen weiterzuentwickeln und die Heilungschancen von krebskranken Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dies geschieht durch Kooperationen innerhalb der Schweiz und in Zusammenarbeit mit ausländischen Zentren und Studiengruppen. Die SAKK wird durch eine Leistungsvereinbarung mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sowie durch Partner wie Krebsliga Schweiz und Krebsforschung Schweiz unterstützt. Mehr Informationen unter: www.sakk.ch

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