Essener Experte berät EU-Drogenbehörde EMCDDA

Seit Jahren überschwemmen sogenannte Neue Psychotrope Substanzen den europäischen Drogenmarkt. Es handelt sich um hochpotente Suchtmittel, die teilweise aus legal erhältlichen Substanzen hergestellt und als vermeintlicher Ersatz für illegale Drogen in Umlauf gebracht werden. Um die von ihnen ausgehenden Gefahren besser einschätzen und sinnvolle Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können, befragt die Europäische Union (EU) ein Expertengremium. In diesen Beraterkreis ist mit Prof. Dr. Norbert Scherbaum ein Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) aufgenommen worden.
Die Expertise führender Suchtforscher*innen einzuholen, ist für die EU wichtiger denn je: Ihre Mitgliedstaaten gelten längst nicht mehr nur als Durchgangsstationen für Drogen; in vielen EU-Ländern werden sie zunehmend auch hergestellt. Einen Sonderfall stellen sog. Neue Psychotrope Substanzen dar, kurz NPS, die aus synthetischen und/oder natürlichen Stoffen bestehen. Als Legal Highs, Research Chemicals oder Kräutermischungen suggerieren NPS den meist jugendlichen Käufer*innen, dass der Konsum erlaubt und ungefährlich ist. Eine besondere Gefahr der NPS besteht darin, dass ihre chemische Struktur oft zunächst unbekannt ist und ihre psychischen und körperlichen Wirkungen nicht vorhersehbar sind. Vielfach wurden lebensgefährliche Vergiftungen beobachtet.

„Unser Ziel besteht darin, die Gefahren einzudämmen, die mit Neuen Psychotropen Substanzen verbunden sind“, sagt Prof. Scherbaum zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für das European Monitoring Center for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA). „Voraussetzung ist eine realistische Einschätzung darüber, was über die neuen Substanzen bekannt ist, welche Nebenwirkungen sie haben können und welches Suchtpotential. Hieraus ergeben sich die Grundlagen für eine zielgruppenorientierte Aufklärung und für die rechtliche Bewertung von NPS.“

Scherbaum ist UDE-Professor für Suchtmedizin und seit 2014 Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Essen. Seit 2004 ist er Direktor der dortigen Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, seit 2013 zudem Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Der 59-Jährige zählt hierzulande zu einer kleinen Gruppe von NPS-Fachleuten. Er gehört dem Ausschuss „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer an sowie dem Sachverständigenrat zu Betäubungsmitteln bei der Bundesopiumstelle, dem auch Chemiker*innen und Vertreter*innen des Bundeskriminalamtes angehören. Der geborene Essener forscht zudem seit Jahren in EU-geförderten Projekten zu den Folgen und Verbreitungswegen von NPS (z. B. PSYCHONAUT, ReDNet, JUSTSO).

Über das EMCDDA
Das European Monitoring Center for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) ist eine EU-Behörde mit Sitz in Lissabon. Sie sammelt aus den Mitgliedsstaaten insbesondere Daten zu der sogenannten Prävalenz des Konsums von Suchtmitteln, das heißt, zu den Anteilen definierter Konsumentengruppen, die zu einem festgelegten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind oder Gefahr laufen, zu erkranken. Weiterhin analysiert das EMCDDA Daten zur Sicherstellung von Suchtmitteln durch Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten sowie Daten zur Inanspruchnahme von Therapien. In ihrem Jahresbericht entwirft die EU-Institution aus diesen Daten ein europaweites Bild zum Suchtmittelkonsum, vor allem in Hinblick auf Veränderungen und neue Tendenzen, wie der Zunahme von Neuen Psychotropen Substanzen. Durch ihre Datenaufbereitung liefert die EMCDDA eine wichtige Basis für gesundheitspolitische Entscheidungen der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten.

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