Emre Kocakavuks Abenteuer Forschungsaufenthalt

Emre Kocakavuk, studiert Medizin an der Universität Duisburg-Essen und hat, wie er selbst sagt „als Forscher Blut geleckt“. Deshalb wagt das Abenteuer Forschungsaufenthalt: er geht mitten im Studium für 10 Monate in die USA, an das renommierte „The Jackson Laboratory for Genomic Medicine“ in Farmington, Connecticut, USA. Er wird in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Roel Verhaak in der Neuroonkologie arbeiten. Kocakavuk will herausfinden, was bei einem Glioblastom so häufig zu Rückfällen führt. Dazu wird er in den USA lernen, wie Patienten- und Tumordaten analysiert werden. „Die Patientenschicksale ähneln sich immer stark und sind eine riesengroße Motivation, hier weiterzuarbeiten“, so der Student, der bereits Erfahrung in der Neuroonkologie am Universitätsklinikum Essen gesammelt hat.

erzählt von Dr. Milena Hänisch

Vorlesungen und Kurse in der Neurochirurgie haben seine Leidenschaft für die Forschung geweckt. In seiner Freizeit liest der Nachwuchswissenschaftler gern aktuelle Veröffentlichungen zum Thema Hirntumorforschung. „Ich habe Prof. Dr. Ulrich Sure gesagt, dass ich gern in diesem Bereich weiterarbeiten würde. Daraufhin hat er mich bei meinen Famulaturen exzellent als klinischer Mentor unterstützt“, so der Student. der nicht zum ersten Mal ins Ausland geht. Er hat bereits Famulaturen in Edinburgh in Großbritannien und Istanbul in der Türkei absolviert.


Links im Bild: Prof. Dr. Gazi Yasargil, Istanbul

Für seinen Forschungsaufenthalt in den USA unterbricht der „Gelsenkirchner Jung“ nun sein Medizinstudium. Er hat sich im Jahr 2013 über die Auswahlgespräche der Medizinischen Fakultät für das Studium qualifiziert. Nun ist er im 10. Semester, hat seine Promotion zur Alzheimerforschung im Labor von Prof. Dr. med. Kathy Keyvani, Leiterin des Instituts für Neuropathologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen fast abgeschlossen und ist Co-Autor eines Papers im Journal „Brain Pathology“. „Normalerweise würde ich jetzt für mein Examen lernen und dann in das Praktische Jahr gehen. Bei mir steht jetzt ein Forschungsaufenthalt an, das ist schon eher ungewöhnlich“, so der 24-jährige.

Warum Hirntumorforschung?

Die durchschnittliche Überlebenszeit bei Patienten mit einem Glioblastom liegt bei ungefähr 14 Monaten. Nach einer Operation kommt es oft innerhalb eines halben Jahres zu einem sogenannten Rezidiv, der Tumor wächst erneut und das meist aggressiver als zuvor. „Wir wollen wissen, was da auf molekularer Ebene passiert“, so Kocakavuk. „Wenn man diese Veränderungen untersucht hat, kann man sie hoffentlich auch gezielter behandeln und in die Klinik bringen.“ Genau das ist die außerordentliche Expertise seines wissenschaftlichen Mentors, Prof. Dr. Björn Scheffler, Leiter der Translationalen Onkologie mit Schwerpunkt Neuroonkologie am Universitätsklinikum Essen: er weiß, wie man die Brücke zwischen Labor und Klinik schlägt. „Da haben wir bereits viele wichtige Erkenntnisse an das Krankenbett bringen können“, so Prof. Scheffler.

„Ich werde an eins der führenden Bioinformatik-Labore der Welt gehen“, sagt Kocakavuk optimistisch. Schon während der Bewerbungsphase haben sich die beiden Forscher miteinander am Telefon und per Email intensiv ausgetauscht. Außerdem hat Kocakavuk sich das Labor in den USA sorgfältig ausgesucht: mehrere Hotspots der Neuroonkologie hatten ihm zugesagt, darunter auch Stanford und San Francisco. „Mein Favorit war das ‚JAX-Lab‘, weil es so forschungsstark ist. Die Arbeitsgruppe von Prof. Verhaak ist eines der Cutting Edge Labore in der Bioinformatik, mit dem Know-How, wie z.B. Next Generation Sequencing, das man für dieses Projekt braucht.“


The Jackson Laboratory, USA

Stipendium selbst eingeworben

„Ich freue mich sehr, dass ich als ‚kleiner Essener Student‘ auf internationalem Niveau mitspielen kann“, gibt er sich ganz bescheiden. Dabei hat Kocakavuk nicht nur die Kooperation selbst initiiert, sondern auch eigene Gelder für seinen Forschungsaufenthalt eingeworben. Gemeinsam mit Prof. Scheffler hat er einen 40-seitigen Antrag auf Fördermittel an den renommierten Boehringer-Ingelheim-Fonds gerichtet. Dort fand man die Projektskizze so überzeugend, dass sie ihn nun mit einem der prestigeträchtigsten Stipendien, dem hochkompetitiven „MD-Fellowship“ unterstützen.

Kocakavuk war schon immer ein besonders aktiver Student, hat sein Physikum mit 1,0 bestanden, und ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Als Tutor hat er in der Vorklinik für Prof. Dr. Gunther Wennemuth, Leiter des Instituts für Anatomie und bei Prof. Dr. Nicole Dünker in der Abteilung Neuroanatomie des Instituts für Anatomie gearbeitet. „Ich will auch etwas weitergeben an jüngere Studierende“, so der junge Student.

Er bringt vieles unter einen Hut: neben dem Lernen und Forschen spielt und schaut er leidenschaftlich Fußball und schafft es trotzdem, sich noch Zeit für seine Freundin und die Familie zu nehmen. Nebenbei hat er sich ehrenamtlich im Projekt „Aufklärung Organspende“ engagiert, das er vor zwei Jahren am Standort Essen etabliert hat. „Wir wollen vor allem informieren und motivieren, eine klare Entscheidung zu treffen und einen Organspendeausweis auszufüllen“, erklärt er. Inzwischen gibt es über 20 Unis in denen sich Studierende für das Thema engagieren. Und Kocakavuk hat bei diesem langfristigen Projekt inzwischen die Leitung an Studierende der unteren Semester weitergegeben: „Da weiß ich das Projekt auch in wirklich guten Händen“.

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