Das Merkel-Phänomen

Es war ein historischer Auftritt, der wirkte: In ihrer TV-Ansprache im März fand Angela Merkel die richtigen Worte fürs Gemüt. Denn COVID-19 befällt nicht nur die Atemwege, sondern kann auch die Psyche ins Wanken bringen. Klare politische Führung und Kommunikation sind deshalb enorm wichtig. Das zeigt eine Studie der Medizinischen Fakultät der UDE, über die jetzt das renommierte Journal of Public Health berichtet.
Die Essener Wissenschaftler untersuchten während der frühen Phase der Coronapandemie in Deutschland mehrere Parameter psychischer Gesundheit. Das multidisziplinäre Forschungsteam um Prof. Dr. Martin Teufel, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Essen, befragten mit 12.244 Deutschen eine außergewöhnlich hohe Zahl an freiwillig Teilnehmenden nach ihrer Wahrnehmung der Bedrohung durch COVID-19, ihr Vertrauen in die Regierung und nach ihrem sogenannten schädlichen Sicherheitsverhalten, z.B. das Horten von Toilettenpapier und Lebensmitteln. Zudem wurde das Maß von allgemeiner Angst und Depression erhoben.

Das Besondere: Bei der Auswertung berücksichtigten die Wissenschaftler, welche Aussagen jeweils nach Verkündung der einzelnen politischen Schritte gemacht wurden. Mit beeindruckenden Ergebnissen: Ab dem 10. März war zunächst ein stetiger Anstieg des Angst- und Depressionsniveaus zu verzeichnen, das nach der Schließung öffentlicher Einrichtungen noch weiter anstieg und mit den Grenzschließungen zwei Tage später seinen Höhepunkt erreichte.

„Bemerkenswert ist, dass nach der öffentlichen Ansprache der Bundeskanzlerin am 18. März die Angst- und Depressionswerte deutlich zurückgingen“, so Prof. Dr. Martin Teufel. Es folgte ein erneuter, aber im Vergleich zum Anfang moderater Anstieg, nachdem am 22. März die physische Distanzierung angeordnet worden war. Dabei blieben sowohl das Angst- als auch das Depressionsniveau deutlich unter dem Niveau vor der Rede. „Die Ergebnisse unterstreichen die enorme Bedeutung politischer Führung für die psychische Gesundheit und das psychische Wohlbefinden. Eine transparente und nachvollziehbare Information kann dazu beitragen, dass die Ängste und Sorgen der Bürger in Krisenzeiten nicht zu groß werden“, erklärt Teufel.

Ab dem 10. März zeigte die subjektiv wahrgenommene COVID-19-Bedrohung eine deutliche Zunahme, nach der Ansprache von Angela Merkel nahm diese ab. Das Vertrauen in die Regierung war zunächst eher gering, zeigte aber nach der Ankündigung der Schließung öffentlicher Einrichtungen eine initiale Zunahme. Danach stieg es stetig, ein Hinweis, dass die Menschen mit den Maßnahmen im Allgemeinen zufrieden waren und ein hohes Maß an Vertrauen in die politischen Instanzen zeigten.

Weitere Informationen:
Studie http://academic.oup.com/jpubhealth/advance-article/doi/10.1093/pubmed/fdaa060/5835923

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