Westdeutsches Zentrum für Infektiologie

Fotoquelle: www.wzi-essen.de

Das Westdeutsche Zentrum für Infektiologie ist im Juni 2013 als Koordinationsorgan für alle klinischen und wissenschaftlichen Bereiche der Infektionsmedizin gegründet worden. Unser Zentrum deckt sowohl die klinische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, als auch die Forschung und Lehre im Bereich Infektiologie ab.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Erforschung, der Prävention, Diagnostik und Therapie von Infektionserkrankungen bei Patientinnen und Patienten, die an einer Immunschwäche leiden. Aufgrund der Fortschritte in der Medizin hat die Zahl von Patientinnen und Patienten mit erworbener Immunschwäche erheblich zugenommen. Eine erworbene Immunschwäche tritt zum Beispiel auf unter immununterdrückender Therapie nach Transplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen, nach Chemotherapie zur Behandlung von Tumorerkrankungen sowie bei Patienten mit HIV-Infektion oder schweren Erkrankungen der Nieren oder der Leber.

Infektionen stellen eine schwere Bedrohung für diese Patienten dar. Die Vorbeugung und Behandlung von Infektionen dieser Patienten bedarf einer besonderen Expertise. Die Diagnostik und Therapie von Infektionen sollte deshalb in Zentren erfolgen, in denen interdisziplinäre Teams tätig sind. Diese Teams bestehen unter anderem aus Internisten, Infektiologen, Pädiatern, Dermatologen, Mikrobiologen, Virologen und Immunologen. Weitere Fachdisziplinen können nach Notwendigkeit hinzugezogen werden.

Schwerpunkte

Sonderforschungsbereich /TRR 60

Ob Hepatitis B und C oder HIV – weltweit sind über 500 Millionen Menschen mit diesen Viren infiziert. Besonders tückisch: Anfangs ist kaum etwas von der Ansteckung zu spüren, die Krankheitserreger können sogar lebenslang unbemerkt im menschlichen Körper verbleiben. Kommt es zum Ausbruch, lösen sie Krankheiten wie schwere Leberentzündungen oder AIDS aus.

Wie Viren es schaffen, im „Wirtskörper“ zu überleben und der Abwehr durch das Immunsystem zu entkommen, erforschen deutsche und chinesische Wissenschaftler bereits seit 2009 im Sonderforschungsbereich Transregio 60 (SFB/TRR 60) unter Federführung des UK Essen und mit Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen und der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit Wuhan (VR China) und Shanghai. Dabei sind sie so erfolgreich, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die chinesische National Natural Science Foundation (NSFC) entschieden haben, das Projekt erneut für weitere dreieinhalb Jahre zu fördern.

Über 100 wissenschaftliche Publikationen sind in den vergangenen Jahren erschienen – ein Beweis für die gute Grundlagenarbeit, die in der Zeit der Projektförderung geleistet wurde. Nun will das internationale Forscherteam dieses Wissen gezielt nutzen, um neue Strategien zur Immuntherapie oder Impfung gegen chronische Virusinfektionen zu entwickeln. Die Universität Duisburg-Essen kann sich mit der Weiterbewilligung des TRR60 erneut mit ihrer Medizinischen Fakultät deutschlandweit als auch international als forschungsstarker Standort im Bereich der Infektionsforschung positionieren. Gemeinsames Ziel aller beteiligten Institute ist es nun, Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln, die in der Lage sind, „Bremsmechanismen“ des Immunsystems zu überwinden und damit Virusinfektionen zu beenden.

Die Graduiertenschule BIOME   

wurde 2010 von der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Biologie der Universität Duisburg-Essen gegründet, um Doktoranden eine hochqualifizierte wissenschaftliche Ausbildung zu bieten und eine Plattform für regelmäßige wissenschaftliche Diskussionen zu schaffen. Jeder Doktorand ist dabei seinem Forschungsprojekt entsprechend einem thematischen Schwerpunkt zugeordnet (Abb. 1). An dieser Graduiertenschule nehmen sowohl naturwissenschaftliche als auch medizinische Doktoranden teil. In den Themenschwerpunkten der Graduiertenschule finden regelmäßige wissenschaftliche Vorträge internationaler Gäste, Projektvorstellungen der Kollegiaten und Literaturseminare statt. Die Unterrichtssprache ist, gemäß den wissenschaftlichen Gepflogenheiten, Englisch. Zudem bietet die Graduiertenschule verschiedene Veranstaltungen zum Erwerb von wissenschaftlichen Grundfähigkeiten an und führt jährliche Kongresse durch. Der thematische Schwerpunkt „Cellular and Molecular Immunology“ stellt in seinem 3-jährigen Programm, die Immunologie viraler und bakterieller Infektionen, die Interaktion eines Tumors mit seinem Wirt, und Fragen zur Transplantationsimmunologie dar. Die Vorlesungsreihe deckt sowohl klinische Aspekte, als auch die Grundlagen der zellulären und molekularen Immunologie ab. Die Doktoranden bekommen Einblicke in die neuesten Labormethoden und Behandlungsmethoden der modernen Immunologie.

Graduiertenkolleg 1949

Infektionskrankheiten gehören weltweit zu den zehn häufigsten Todesursachen. Trotz intensiver Forschung auf diesem Gebiet stehen bisher nur für einige von ihnen effektive Therapien und vorbeugende Impfstoffe zur Verfügung. Von großer Bedeutung für die Entwicklung zukünftiger Therapieansätze sind detaillierte Kenntnisse der Prozesse und Abläufe von Infektionserkrankungen: So hat zum Beispiel die Immunantwort des Menschen gegen Krankheitserreger einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf einer Infektion. Traditionell unterscheiden Ärzte und Wissenschaftler dabei die angeborene von der erworbenen Immunantwort, auch wenn beide sich gegenseitig beeinflussen.

In der Forschung ist das Wechselspiel zwischen angeborener und erworbener Immunität bei Infektionserkrankungen bisher nur im Blick weniger Experten. Um diese wissenschaftliche Lücke zu schließen, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das neue Graduiertenkolleg 1949 „Immune Response in Infectious Diseases – Regulation between Innate and Adaptive Immunity“ eingerichtet. Das Kolleg setzt sich aus insgesamt 14 Projekten unter Beteiligung der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen als sprecherführende Hochschule zusammen. Es wird mit insgesamt 4,5 Millionen Euro in den ersten 4,5 Jahren gefördert.

Hochqualifizierte Wissenschaftler/-innen aus unterschiedlichen Bereichen der Infektionsimmunologie und Impfstoffentwicklung arbeiten zukünftig gemeinsam an der Fragestellung, wie sich angeborene und erworbene Immunantwort gegenseitig beeinflussen. Im Rahmen des Graduiertenkollegs sollen auch ausgezeichnete Nachwuchsforscher auf dem Gebiet der Infektiologie und Immunologie ausgebildet werden. Zu diesem Zweck koordiniert das Graduiertenkolleg ein dreijähriges Programm zur Durchführung einer Promotion für Naturwissenschaftler/-innen und forschende Ärztinnen/Ärzte sowie ein einjähriges strukturiertes Ausbildungsprogramm für Medizinstudenten. Diese Ausbildung soll den langfristigen Fortschritt auf diesem wichtigen Forschungsgebiet in der Rhein-Ruhr Region sicherstellen.

Links

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